Die CGB-Arbeitsgemeinschaft der CDA erinnert an das 100-jährige Jubiläum der Stegerwald-Rede vom 21.11.1920 im Essener Saalbau zum interkonfessionellen Unionsgedanken.

CDU und CSU können in diesem Jahr auf ihr 75.jähriges Bestehen zurückblicken. An ihrer Gründung waren maßgeblich christliche Gewerkschafter beteiligt, die nach den Erfahrungen mit der Weimarer Republik und der NS-Diktatur den politisch Neuanfang in interkonfessionellen christlichen Volksparteien suchten. Sie setzten um, was der langjährige Generalsekretär und spätere Vorsitzende der christlichen Gewerkschaften Deutschlands, Adam Stegerwald, bereits 1921 in seiner berühmt gewordenen „Saalbau-Rede“ in Essen gefordert hatte. Die CDA/CGB-Arbeits­gemeinschaft erinnert an diese Rede, die der christliche Gewerkschafter und damalige Preußische Ministerpräsident vor 100 Jahren, am 21.11.1920 gehalten hat.

Der 1874 in Geußenheim bei Würzburg geborene Stegerwald war gelernter Schreiner. Er engagierte sich ge­werkschaftlich im christlichen Holzarbeiterverband und wurde 1899 dessen Vorsitzender. Politisch engagierte er sich in der katholischen Zentrumspartei, die er von 1920 bis 1933 als Abgeordneter im Deutschen Reichstag vertrat. Zuvor war er bereits Mitglied des Preußischen Herrenhauses und der Nationalversammlung gewesen. Vom März 1919 bis November 1921 bekleidete Stegerwald das Amt des preußischen Volkswohlfahrtsminister und von April 1919 bis November 1921 zusätzlich das Amt des preußischen Ministerpräsidenten.

Als christlicher Gewerkschafter und Zentrums-Politiker war Stegerwald Betroffener und Beteiligter im „Gewerk­schaftsstreit“ unter den Katholiken, der mit dem Aufstieg der katholischen Arbeitervereine begann und erst 1931 mit der Enzyklika „Quadresimo anno“ von Papst Pius XI sein Ende fand. Im Kern ging es bei diesem Ge­werkschaftsstreit um die Frage, ob Katholiken sich in christlichen Gewerkschaften organisieren dürfen. Ein maßgeblicher Teil des Klerus lehnte dies ab, weil diese interkonfessionell waren und mehrheitlich nicht bereit, sich kirchlicher Führung zu unterstellen. Dieser Streit schwächte die organisierte Arbeitnehmerschaft insge­samt, weil die christlichen Gewerkschaften mit Rücksicht auf die Katholische Kirche anfangs nicht streikbereit waren und u.a. 1912 auf die Teilnahme am großen Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet verzichteten.

Vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen mit der gesellschaftlicher Spaltung aufgrund des Gewerkschafts­streits und politisch instabiler Verhältnisse wuchs bei Stegerwald bereits frühzeitig die Erkenntnis, dass Deutschland als Gegenpart zu den Mehrheitssozialisten einer überkonfessionellen christlichen Volkspartei be­darf. Obgleich Preußischer Ministerpräsident und damit herausgehobener Repräsentant der katholischen Zen­trums Partei scheute Stegerwald sich nicht, diese Erkenntnis im Rahmen seiner Rede im Essener Saalbau auch einer breiten Öffentlichkeit kund zu tun. In dieser Rede führte er u.a. aus: „Die große gemäßigte Partei, zu der wir unbedingt kommen müssen, sie kann sich nur aufbauen auf der Grundlage positiv christlicher Gesin­nung. …Weder von Programmen, noch von Gesetzen kann uns letzten Endes die Rettung kommen, sondern einzig und allein von der Durchdringung des ganzen öffentlichen Lebens mit einem wahrhaft christlichen Geist. Es sind noch mächtige Schichten im ganzen Volke vorhanden, die man zu diesem Zwecke zu einem Block zu­sammenschmieden kann. Heute sind diese Kräfte nicht nur in konfessioneller, sondern leider auch in politi­scher Beziehung getrennt. ...die schroffe politische Scheidung der Katholiken und Protestanten (bedeutet) eine ungeheure Gefahr. Aus dauernd getrenntem politischem Marschieren können starke Entfremdungen und Spannungen eintreten, zumal wenn zwischen ihnen ständig die Scheidelinie Regierung und Opposition liegt. Die Entfremdung zwischen Brüdern ist der erste Schritt zur offenen Feindschaft. Dieses Unglück darf nicht noch zu allem anderen über Deutschland kommen. Darum müssen wir alle christlichen Kräfte auch zu politi­scher Stoßkraft zusammenraffen, solange es noch Zeit ist.“

Die Mahnungen und Forderungen Stegerwalds fanden leider erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs ihre politi­sche Umsetzung. Stegerwald selbst war noch als einer der Gründerväter der CSU daran beteiligt.

An Stegerwald erinnert u.a. das Adam-Stegerwald-Haus in Königswinter, lange Jahre Sitz der CDA-Hauptgeschäftsstelle und Heimstätte der CDA-Bildungsarbeit.

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