Der Auflagenschwund bei den Tageszeitungen hat sich auch im II.Quartal 2019 fortgesetzt. Auch Weser-Kurier und Nordsee-Zeitung sind von der rasanten Talfahrt betroffen. Wie sicher sind die Arbeitsplätze der Verlagshäuser?

Wie der MEEDIA Newsletter vom 22.07.2019 in seinem Nachrichtenüberblick am Mittag unter Bezugnahme auf aktuelle IVW-Daten vermeldete, hat sich der Auflagenschwund der deutschen Regionalzeitungen auch im zweiten Quartal 2019 unverändert fortgesetzt. Von den 83 größten Regionalzeitungen konnten lediglich zwei bei Abos und Einzelverkäufen einen Zuwachs verbuchen: DER TAGESSPIEGEL aus Berlin mit den zugehörigen Potsdamer Neuesten Nachrichten, der gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ein Plus von 1,4 Prozent erzielen konnte, sowie die Rheinische Post, die einen Zuwachs von 0,3 Prozent verzeichnete. Bei den übrigen Regionalzeitungen gab es hingegen zum Teil dramatische Auflageneinbrüche. So musste der Kölner Express bei den Verkaufszahlen einen Rückgang um 12,2 Prozent vermelden. Lediglich bei sieben der 83 größten Regionalzeitungen betrug der Auflagenschwund weniger als zwei Prozent. Die bremischen Tageszeitungen gehören nicht dazu. Der Bremer Weser-Kurier (Gesamtauflage) verzeichnete bei Abos und Einzelverkäufen lt. MEEDIA einen Rückgang um 3,9 Prozent, die Bremerhavener Nordsee-Zeitung von 4,4 Prozent.

Während der Tagesspiegel den Auflagenschwund bei der Print-Ausgabe durch Steigerung der e-Papers-Abos ausgleichen konnte, haben die meisten Regionalzeitungen noch kein wirksames Mittel gegen ihren zunehmenden Bedeutungsverlust gefunden. Dies gilt auch für die WESER-KURIER Mediengruppe der Bremer Tageszeitungen AG, bei der Moritz Döbler seit einigen Monaten nicht nur verantwortlicher Chefredakteur, sondern auch Vorstand ist. Sein Versuch, mit "Mein Werder" die mit Abstand größte Fußball-Experten-Redaktion in Deutschland zu installieren, die als crossmediales Projekt den Weser-Kurier ins digitale Zeitalter katapultieren sollte, ist grandios gescheitert, das Redaktionsteam stark zusammengestutzt. Auch der finanzielle Schaden dürfte beträchtlich sein. Die Rede ist von 1 Million Euro, die der Verlag mit dem Projekt in den Sand gesetzt hat. Die CDA als Arbeitnehmerorganisation fragt sich, wann für die Anteilseigner der Bremer Tageszeitungen AG die Schmerzgrenze erreicht ist und wie sicher die Arbeitsplätze bei der Weser-Kurier Mediengruppe sind. Viele Zeitungen in Deutschland haben in den letzten Jahren bereits ihre Eigenständigkeit verloren und sind zu Lokalausgaben größer Verlagsgruppen mit Zentralredaktionen geworden. In Bremen hat es bereits vor vielen Jahren die Bremer Nachrichten getroffen, die heute bis auf den Zeitungstitel inhaltsgleich mit dem Weser-Kurier erscheinen. Ob der Weser-Kurier bei weiterem Auflagenrückgang dauerhaft seine Eigenständigkeit bewahren kann, erscheint fraglich, zumal die Zeitung durch eine überaltete Verlagsdruckerei mit überhöhten Produktionskosten zu kämpfen hat.

Bei dem Versuch, den Auflagenrückgang mit dem crossmedialen Projekt "Mein Werder" zu stoppen, ist der Weser-Kurier gescheitert. Erfolgreicher war er bislang mit seinen "Dossiers" zu Schwerpunktthemen, die der Zeitung zumindest zu journalistischer Anerkennung und einem der renommierten Ralf-Dahrendorf-Preise für kritischen Lokal-Journalismus verholfen haben. Ob sich jedoch mit Dossiers, erweiterter Hintergrundberichterstattung und stark bebilderten Themenseiten die zunehmende Abwendung der Abonnenten von "ihrer" Tageszeitung stoppen lässt, darf allerdings bezweifelt werden - insbesondere wenn man sich als Leser fast täglich über Korrekturmeldungen ärgern muss.

Soziale Medien wie Facebook, Twitter, YouTube und Co sind eine Bedrohung für alle Zeitungen. Zumindest in der politischen Kommunikation wird ihnen zunehmend ein höherer Stellwert eingeräumt als den klassischen Print-Medien, wie sich im zurückliegenden Bürgerschaftswahlkampf im Lande Bremen auch an den spärlich geschalteten Wahlkampfanzeigen der Parteien erkennen lies.

Nicht nur Präsidentenkarrikatur Trump hat erkannt, dass er über Twitter seine Botschaften schneller und erfolgreicher verbreiten kann als über Anzeigen, Pressemitteilungen und Pressekonferenzen. Tageszeitungen wie der Weser-Kurier unterstützen diesen Trend noch, in dem sie unterstellen, dass sich die Mehrheit ihrer Leser alle relevanten aktuellen Informationen bereits aus dem Netz holt und für News und Statements von Vereinen und Verbänden kaum noch eine Plattform bieten.

Die Absage vieler Bürger an die Tageszeitung darf nach Meinung der CDA aber nicht als generelle Absage an Printmedien verstanden werden. Bei einem Abo-Preis von 38,90 Euro im Monat (Weser-Kurier) dürfte sich aber doch der Eine oder Andere fragen, ob für ihn oder sie die (Tages-)Zeitung noch ihr Geld wert ist. Für 25 Euro gibt es schließlich bereits ein gebundenes Buch mit 400 bis 500 Seiten Lesestoff nach persönlichem Geschmack.

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