Auch nach dem die Geschäfte seit kurzem wieder öffnen dürfen, sieht die Zukunft für die Bremer City weiterhin düster aus. Mit Betten Wührmann und dem Feinkostgeschäft und Gourmet-Restaurant Grashoff streichen zwei weitere Traditionsgeschäfte die Segel.

Die Leerstände in Bremens Haupteinkaufsmeilen Sögestraße und Obernstraße häufen sich.

Im aktuellen Passanten-Frequenzreport 2020 der hystreet.com GmbH rangiert Bremen mit der Obernstraße mit 1402 Passanten pro Stunde lediglich auf Platz 42. Die Spitzenplätze im Ranking von 60 Städten unterschiedlicher Größenordnung nehmen München mit seiner Kaufinger Straße und 4501 Passanten pro Stunde, Hannover mit der Georgstraße und 4288 Passanten pro Stunde sowie Frankfurt am Main mit der Zeil und 4228 Passanten pro Stunde ein. Hamburg mit der Spitalerstraße und 2992 Passanten pro Stunde rangiert auf Platz 6.

München konnte seinen Spitzenplatz behaupten, obwohl die Kaufinger Straße mit 50% weniger Passanten als 2019 den größten Einbruch zu verzeichnen hatte. Durchschnittlich ging die einzelhandelsrelevanten Passan­ten-Frequenz aller 60 im Ranking berücksichtigten Städte um 32 Prozent zurück.

Auch wenn die deutlichen Rückgänge der Passanten-Frequenz ihre Ursache im wesentlichen den coronabe­dingten Einschränkungen des Einzelhandels geschuldet sein dürften, so sind sie zugleich für viele Städte ein Beleg für die zurückgehende Attraktivität der Innenstädte. Dies gilt nach Auffassung der CDA/CGB-Arbeitsgemeinschaft auch für Bre­men.

Peter Rudolph, Vorsitzender der CDA/CGB-Landesarbeitsgemeinschaft: „Wenn Bremen als elftgrößte Stadt Deutschlands im Passan­ten-Frequenzreport mit seiner Haupteinkaufsstraße nur auf Platz 42 landet, noch hinter Osnabrück und nur knapp vor dem deutlich kleineren Oldenburg, so ist dies ein Alarmsignal."

Der Einzelhandel gehört mit mehr als 3 Millionen Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Er zählte in den letzten Jahren zu den Wachstumsbranchen. Seit Corona ist dies anders. Die Pandemie hat die Branche mit den behördlich verordneten Geschäftsschließungen besonders getroffen. Die gilt insbesondere für den Einzelhandel mit Bekleidung, Schuhen, Textilien und Leder-waren, der 2020 einen Umsatzrückgang von 23 Prozent verkraften musste. Der Handelsverband Deutschland HDE) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnen für 2021 denn auch mit einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen. Der HDE sieht akut 50.000 Geschäfte in Deutschland von Insolvenz bedroht.

Insolvenzen und Filialschließungen kosten nicht nur Arbeitsplätze, sondern bedrohen auch die Zukunft unse­rer Innenstädte. Allerorten wird daher nach Lösungen gesucht, wie man die Stadtzentren reaktivieren kann, damit am Ende der Corona-Pandemie nicht Online-Händler wie Amazon als die großen Gewinner dastehen, die im Gegensatz zum stationären Einzelhandel 2020 keine Einbrüche zu verzeichnen hatten, sondern ihren Umsatz um 20,7 Prozent steigern konnten.

Peter Rudolph: "Weitere Maßnahmen zur Erhöhung der At­traktivität der Bremer Innenstadt sind daher drin­gend erforderlich und sollten nicht durch verkehrspolitische Zwangsmaßnahmen konterkariert werden.“

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